Die Geschichte des Schmerzmittels

Schlafmohn spielt eine Entscheidende Rolle in der Geschichte der Schmerzmittel

Schmerzen begleiten den Menschen seit Anbeginn seiner Entwicklung. Gegen nicht wenige dieser Schmerzen besitzt der Mensch wie auch jedes Tier einen Instinkt zur Linderung oder Beseitigung der Schmerzen, der jedoch im Laufe der zivilisatorischen Entwicklung weitestgehend abhanden kam. 

Urinstinkte der Tiere und Schmerzmittel

Bei vielen Tieren kann dieses unbewusste Wissen um schmerzlindernde Mittel beobachtet werden. Selbst schon lange domestizierte Haustiere wie Hund und Katze zeigen sich in der Lage, bestimmte Schmerzen zu beseitigen oder diesen vorzubeugen. Wenn ein Hund oder eine Katze etwa Gras frisst, lindern sie damit Verdauungsbeschwerden. Natürlich können Tiere Schmerzen nur in einem begrenzten Maß mittels natürlicher Mittel lindern und ziehen sich in freier Wildbahn meist zur Schmerzlinderung, etwa aufgrund von Verletzungen, in ein Versteck zurück, um genügend Zeit zur Ausheilung zu erhalten. Der Schmerz ist dabei ein Signal des Körpers an Mensch oder Tier, das etwas nicht in Ordnung ist.

Natürliche Medikamente gegen Schmerzen

Ein exakter Anfang, wann der Mensch zum ersten Mal bewusst Medikamente als Schmerzmittel einsetzte, ist unmöglich nachzuvollziehen, da sich auf der gesamten Welt unterschiedliche, voneinander getrennte Kulturen entwickelten. Diese besaßen jeweils eigene Heilkundige, die sich aus der umgebenden Natur bedienten und so langsam einen Erfahrungsstamm aufbauten, indem die Wechselwirkung bestimmter natürlicher Stoffe mit dem menschlichen Organismus aufgezeichnet oder mündlich überliefert wurde. So etwa die Nord- und Südamerikanischen Indios, die keine Schrift kannten und alles nur mündlich an ihre Nachfahren weitergegeben haben.

6000 Jahre v. Chr.

Interessanterweise stammt eines der ältesten Schmerzmittel der Welt aus dem Mittelmeerraum, dessen pflanzliche Nachfahren heute überwiegend im asiatischen und südamerikanischen Raum angebaut werden. Nachgewiesen ist deren Nutzung bereits in der Jungsteinzeit, etwa 6000 v. Chr., und Keilschriften aus der Zeit 4000 v. Chr. berichten über die pharmazeutische Wirkung. Es handelt sich um Papaver somniferum, den Schlafmohn. Noch heute wird das im Schlafmohn vorhandene Morphin zur Schmerzbekämpfung gerade starker Schmerzen eingesetzt. In der geschichtlichen Entwicklung breitete sich der Schlafmohn vom europäischen Mittelmeerraum langsam bis in den asiatischen Raum aus und wurde etwa ab dem 11. Jahrhundert auch in China angebaut. Wie bei vielen anderen zivilisatorischen Fortschritten zeigte sich das Mittelalter auch beim Schlafmohn und seiner schmerzstillenden Wirkung als folgenreiche Blockade. Im 4. Jahrhundert wurde in den damaligen Ländern des Christentums der Schlafmohn verboten, weniger wegen seiner abhängig machenden Wirkung, sondern weil Schmerzen als Strafe Gottes angesehen wurden und damit gefälligst zu ertragen waren.

4000 Jahre v. Chr.

Ein weiteres natürliches Schmerzmittel mit einer hervorragenden Bandbreitenwirkung ist die Salicylsäure. Sie findet sich in einer Pflanzenart, die sich fast über die gesamte Welt bis hin zur Arktis ausbreitet. Die Weidengewächse, lat. Salicaceae, bestehen aus rund 450 Arten. Spätestens mit der Entwicklung der ersten Hochkulturen erfolgte auch die schriftliche Niederlegung der Wirkung von Weidengewächsen als Medikamente. So etwa im alten Ägypten aus der Zeit 4000 Jahre v. Chr. Der mit Abstand bekannteste Heilkundige, der aus Weidenrinde schmerzstillende Medikamente herstellte, war kein geringerer als Hippokrates, dessen ethische Richtlinien zur Behandlung Kranker noch heute in der Medizin ihren Niederschlag finden.
Neben diesen beiden hauptsächlichen Pflanzen zur Herstellung von Schmerzmitteln der menschlichen Ur- und Vorgeschichte, dem Schlafmohn und der Weide, finden sich noch zahlreiche weitere Pflanzenarten, die aber meist nur lokale Verbreitung fanden, da sie für ihr Wachstum bestimmte Umweltbedingungen benötigen. Dazu gehören unter anderem:

  • Cayennepfeffer
  • Pfefferminze
  • Pestwurz
  • Teufelskralle
  • Arnika
  • Brennnesselwurzel
  • Indischer Weihrauch

Das Jahr 1804, die Neuzeit in der Geschichte der schmerzstillenden Medikamente

Die Inhaltsstoffe des Schlafmohns waren für viele Forscher auf dem Gebiet der Anästhesie von größtem Interesse, zeigte sich doch schon das Roh-Opium als unglaublich gut wirkendes Mittel. Der deutsche Apotheker Friedrich Wilhelm Adam Sertürner konnte im Jahr 1804 erstmalig aus Roh-Opium den Stoff Morphin isolieren. Dies war und ist zwar das hauptsächliche Alkaloid des Schlafmohns, aber keineswegs das einzige. Weitere Stoffe sind:

  • Codein
  • Papaverin
  • Noscapin
  • Narkotin
  • Theabin
  • Narcein

Obwohl der Name Noscapin beziehungsweise Narkotin auf die allgemeine Narkose hinweist, besitzt gerade dieses Alkaloid eine nur geringe schmerzstillende Wirkung und dient heute weitgehend als Hustenmittel.

1824 – das Salicin wird entdeckt

Die Wirkweise der Weidenrinde für Medikamente war schon lange bekannt, als der deutsche Pharmakologe Johannes Andreas Buchner aus Weidenrindenextrakten im Jahr 1824 das Salicin isolierte. Dieses Salicin ist praktisch der natürliche Vorfahre und Vorlage zur Acetylsalicylsäure, weltweit unter dem Markennamen Aspirin verbreitet.

1878 – Paracetamol wird entwickelt und niemand interessiert es – vorerst

Der amerikanische Chemiker Harmon Northrop Morse entwickelt im Jahr 1878 den Arzneistoff Paracetamol. Morse wurde jedoch eher durch seine Arbeiten am osmotischen Druck bekannt und noch heute gehört die Morse-Gleichung zu den Inhalten der physikalischen Lehre. Die Medikamente mit dem Inhaltstoff Paracetamol fanden erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts ihre Verbreitung.

1897 – die Geburtsstunde des Aspirins

Obwohl das Salicin, das Produkt aus Weidenrindenextrakt, schon Jahrzehnte bekannt war, gelang die chemisch reine Nachbildung und damit Grundlage zur industriellen Produktion erst im Jahr 1897 bei den Bayerwerken in Elberfeld. Das Aspirin wurde von Anfang an erfolgreich vermarktet. Allerdings wurden die Patentrechteinhaber, die Bayerwerke, nach dem ersten Weltkrieg durch die Alliierten gezwungen, die Markenrechte in den USA, Frankreich und Großbritannien aufzugeben. Damals wurden im amerikanischen Raum die Markenrechte von der US-Firma Sterling Drug Inc. übernommen, die wiederum im Jahr 1950 von Bayer aufgekauft wurde, womit sich nicht nur die amerikanischen Markenrechte am Aspirin wieder bei Bayer befanden, sondern gleichzeitig auch Patente am Paracetamol, das gleichermaßen von Sterling Drug Inc. vermarktet wurde.

Moderne Medikamente als Schmerzmittel

Chemisch hergestellte Medikamente zur Lokalanästhesie wie auch zur Allgemeinanästhesie besitzen gegenüber den natürlichen Schmerzmitteln den Vorteil, dass ihre Wirkung auf die jeweiligen Schmerzrezeptoren im menschlichen wie tierischen Körper abgestimmt werden kann. In der Medizin unterteilen sich die schmerzstillenden Medikamente in die Injektionsanästhetika und die Inhalationsanästhetika, also den per Spritze verabreichten und den einzuatmenden Medikamenten. Natürlich zählen zu den Schmerzmitteln ebenso die Oral oder Rektal verabreichten Medikamente. Diese werden aber in den meisten Fällen nicht unter ärztlicher Aufsicht eingenommen und besitzen einen relativ geringen Anteil am eigentlichen Schmerzmittel, um eine Überdosierung bei unsachgemäßem Gebrauch zu verhindern.

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